Faszination Bogenschießen

Das Bogenschießen wird seit Jahrtausenden von Menschen praktiziert. Anfangs als wichtigste Jagdform, später dann  bei kriegerischen Auseinandersetzungen und heute fasziniert das Bogenschießen immer noch als olympische Sportart. In jüngster Zeit wird Bogenschießen sogar zu meditativen und therapeutischen Zwecken eingesetzt.

1. Die Geschichte des Bogenschießens

Funde von Pfeilspitzen aus Feuerstein legen die Vermutung nahe, dass Pfeil und Bogen bereits seit rund 14000 Jahren eingesetzt werden.

Das Werk „Toxophilus“ von Roger Ascham aus dem Jahr 1545, ist die erste europäische Schule des Bogenschießens. Johann Peter Eckermann stellte im frühen 19. Jahrhundert fest, dass sich der Bogensport in Belgien großer Beliebtheit erfreut und bemühte sich diesen auch in Deutschland zu popularisieren. Überschattet durch die Turnbewegung durch Turnvater Jahn jedoch leider erfolglos.

In Großbritannien hingegen entwickelte sich zu selber Zeit, das Bogenschießen zu einer äußerst beliebten Frauensportart. Das elegante Bogenschießen war im Einklang mit den Vorstellungen einer züchtigen Bekleidung für Damen und der Grundannahme, dass zu viel Bewegung schädlich für den weiblichen Organismus sein könnte.

Bereits in den Jahren 1900, 1904, 1908 und 1920 war das Bogenschießen Teil der olympischen Spiele. Zudem die einzige Sportart an der Frauen teilnehmen durften. Seit 1972 ist Bogenschießen fester Bestandteil der olympischen Spiele.

Der im Jahr 1920 erschienene deutsche  Titel „Bogenschießen / Werfen mit dem Bumerang“ war für lange Zeit die tonangebende Gebrauchsanweisung für das Bogenschießen.

2. Die verschiedenen Arten des Bogenschießens

Es gibt vielfältige Möglichkeiten den Bogensport auszuüben. Weithin bekannt sind das olympische Bogenschießen mit seinen strengen Reglementierungen und dem modernen Equipment und das traditionelle Bogenschießen, bei dem natürliche Materialien ohne weitere Hilfsmittel zum Einsatz kommen.

Darüber hinaus gibt es aber auch noch das Feldbogenschießen, das 3D Bogenschießen, das japanische Bogenschießen und das therapeutische Bogenschießen. Jede Bogensportart hat seinen speziellen Fokus, von sportlich bis höchst meditativ. Besitzt ganz individuelle Regeln und eine eigene Ausrüstung, manchmal ist sogar besondere Kleidung notwendig.

Alle Bogensportarten haben aber eines gemeinsam: sie sorgen für einen Einklang von Geist und Seele. Dies geschieht durch die absolute Fokussierung auf das jetzt und hier, auf das was gerade getan wird.

3. Welche Bogenarten gibt es?

Bogenarten oder –typen nennt man auch Bogenklassen. Gut bekannt sind der Recurvebogen und der Compoundbogen. Daneben gibt es den Langbogen, den Reitbogen und den Blankbogen. 

3.1 Recurvebogen

Der Recurvebogen ist ein sehr alter Bogentyp der sich hervorragend für Anfänger eignet, aber ebenso auch die einzige für das olympische Bogenschießen zugelassene Bogenform ist.

Recurvebögen haben ihren Namen von den gebogenen Wurfarmen (Recurve- Arme). Der Vorteil dieser gebogenen Arme besteht einmal darin, dass sie beim Spannen der Sehne  zusätzliche Energie speichern, die dann an den Pfeil abgegeben werden kann. Zum anderen erleichtern sie das Spannen der Sehne.

Moderne Recurvebögen bestehen im Hauptteil aus Aluminium, die Recurve-Arme aus  einer Kombination aus Holz, Carbon und Fiberglas. Recurvebögen können aber auch komplett aus natürlichen Materialien gefertigt werden.

Ein Recurvebogen ist für den Transport in 3 Teile zerlegbar. So können auch defekte Teile ausgetauscht werden.

Bei der Verwendung von Recurvebögen kommen Visier und Stabilisatoren zum Einsatz.

3.2 Compoundbogen

Der Compoundbogen wurde erst in den 60er  Jahren erfunden und kann neben dem Sportschießen auf Scheiben auch für die Jagd benutz werden.

Die an den Wurfarmen angebauten Rollen (genannt Cams), wickeln beim Spannen der Sehne diese auf und bewirken schlussendlich,  dass bei vollständig gespannter Sehne, praktische keine Zugkraft mehr aufzubringen ist. Dieser Let Off ermöglicht dem Bogenschützen ein genaueres Zielen und somit eine größere Präzision.

Ein weiterer Vorteil liegt in der höheren zu erreichenden Durchschlagskraft.

Für Anfänger bringt dieser Präzisionsbogen aber auch einige Nachteile mit sich und ist daher eher nicht zu empfehlen. Beispielsweise muss ein Compoundbogen mit speziellem Werkzeug sehr genau justiert werden bevor er zum Einsatz kommen kann.

Compoundbögen werden mit Zubehör wie Visier und Vergrößerungsglas mit speziellen Scopes (Linsen) verwendet.

3.3 Langbogen

Der traditionellste Bogen überhaupt ist der Langbogen. Er besteht aus einem Stück gebogenem Holz und einer Sehne.

Seinen Namen hat der Langbogen tatsächlich von seiner Größe. Er ist so lang wie sein Schütze groß ist. Heutzutage benutzt man allerdings auch immer kürzere Langbögen, um das benötigte Zuggewicht möglichst zu reduzieren.

Der Langbogen ist der perfekte Begleiter des intuitiven Bogenschießens. Für sportliche Schützen sind Langbögen inzwischen auch schon aus Carbon erhältlich.

3.4 Reiterbogen

Der Reiterbogen besitzt gebogene Wurfarme, wie ein Recurvebogen, ist jedoch deutlich kleiner und damit handlicher. Trotzdem erzielt er eine ähnlich hohe Durchschlagskraft.

Reitbögen wurden früher, wie der Name bereits vermuten lässt, von berittenen Schützen benutzt für die ein langer Bogen viel zu umständlich in der Handhabung gewesen wäre.

Das Schießen mit dem  Reiterbogen ist sehr anspruchsvoll, das Zielen deutlich schwieriger und es besteht eine erhöhte  Verletzungsgefahr. Reitbögen sollten deshalb vorranging von erfahrenen Bogenschützen benutzt werden.

3.5 Blankbogen

Der Blankbogen ist eine Mischung aus traditionellem und modernem Bogen. In der Form ähnelt er einem Recurvebogen. Er wird jedoch ohne jegliches Zubehör verwendet.

So ist er perfekt für Anfänger, da man sehr viel Geld für Equipment sparen kann. Der Blankbogen erfreut sich aber auch großer Beliebtheit bei  traditionsbewussten Profi-Bogenschützen.

4. Welche Pfeile benötige ich für meinen Bogen?

Pfeilarten gibt es ungefähr genauso viele wie Bogenklassen. Wichtig bei der Auswahl ist, dass der Pfeil zum Bogen passt. Lassen Sie sich am besten im Fachhandel beraten und greifen im Zweifel zu einer höherwertigen Pfeilart. Damit sichern sie sich nicht nur mehr Freude an den erzielbaren Erfolgen, sondern schützen unter Umständen auch ihre Gesundheit.

4.1 Holzpfeile

Optisch mögen die Holzpfeile ganz sicher zu den traditionellen Bogenklassen Recurve und Langbogen passen. Leider trügt hier der Schein zumindest im Falle des Recurvebogens. Dieser überträgt eine viel zu große Kraft auf den Pfeil, welche Holz nicht aushalten kann. Holzpfeile in einem Recurvebogen können splittern.

4.2 Fiberglaspfeile

Der Fiberglaspfeil ist ein glasfaserverstärkter Kunststoff Pfeil. Er besitzt gute Flugeigenschaften kann aber auch leicht brechen.

4.3 Carbon Pfeile

Carbon Pfeile bestechen durch ihre große Robustheit und Langlebigkeit. Sie sind für Anfänger wie für Fortgeschrittene gleichermaßen zu empfehlen.  Nachteilig ist hier der hohe Anschaffungspreis.

4.4 Aluminium Pfeile

Anfängern wird von Aluminiumpfeilen abgeraten, denn sie können sich leicht verziehen, was ein genaues zielen unmöglich macht.

4.5 Aluminium- Carbon-Pfeile

Aluminium- Carbon- Pfeile vereinen die positiven Eigenschaften der beiden Werkstoffe und sind Pfeile mit hervorragenden Flugeigenschaften. Sie können mit jedem Bogen eingesetzt werden. Leider sind Aluminium- Carbon- Pfeile auch die teuersten Pfeile, die man im Handel kaufen kann. Daher sollten Anfänger vom Kauf dieser Pfeile  Abstand nahmen.

Egal für welche Pfeile Sie sich entscheiden, folgendes sollte ihnen in Fleisch und Blut übergehen: bevor Sie den Pfeil in den Bogen spannen biegen Sie ihn leicht. Knirscht er, sollten Sie ihn nicht mehr verwenden. Es droht Verletzungsgefahr!

5. Welche Ausrüstung benötigen Sie für das Bogenschießen?

Neben einem passenden Bogen und den dazugehörigen Pfeilen benötigen Sie als Anfänger einen Armschutz, einen Köcher, einen Fingerschutz und eine Zielscheibe.

Viele halten den Armschutz für eine übertriebene Vorsichtsmaßnahme. Leider passieren jedoch  gerade bei Anfängern häufig Unfälle mit einer unkontrolliert zurückschnellenden Sehne. Trifft diese den Unterarm kann das zu bösen Verletzungen führen. Daher empfehlen wir unbedingt einen Armschutz zu tragen. Mit fortschreitendem Können kann dieser durchaus kürzer werden, sollte aber auch im Profibereich niemals vollständig weggelassen werden.

Im Köcher werden die Pfeile aufbewahrt und transportiert. Ein Köcher ist nicht unbedingt nötig, aber äußerst praktisch. Der Köcher muss auf die Länge der Pfeile abgestimmt sein.

Zur absoluten Grundausstattung des Bogenschießens gehört der Fingerschutz oder auch Tab genannt. Manche Bogenschützen tragen auch lieber Schießhandschuhe. Fingerschutz oder Handschuh schützen die Finger vor dem Wundwerden.

Sicherlich könnte man die ersten Bogenschuss- Versuche auf ein einfaches Ziel, wie ein Heuballen oder eine selbst gebaute Zielscheibe, machen. Das Problem besteht jedoch darin, dass die Pfeile brechen können treffen sie auf falsches Material. Somit lohnt es sich über kurz oder lang doch in eine passende Zielscheibe zu investieren.

6. An welchen Orten kann man Bogenschießen?

Der Bogen zählt als Spiel-und Sportgerät und kann als solches r grundsätzlich überall verwendet werden.  Bedenkt man jedoch die Fluglänge eines Pfeiles und die extrem hohe Durchschlagkraft, wird man sich schnell darüber klar, dass ein Bogenschütze durchaus  großen Schaden anrichten kann. Darüber hinaus haftet der Schütze für jeden Schaden persönlich, den er mit seinem Sportgerät anrichtet.  Einfach so im Wald mit dem neu erworbenen Bogen loszuschießen ist also sicher keine gute Idee.

Um den Bogensport in einem sicheren Umfeld auszuüben haben Bogensportverbände entsprechende Bogenplätze oder Feldparcours angelegt. Diese weisen den notwendigen Sicherheitsstandard auf.

Möchten Sie im eigenen Grundstück Ihr Hobby ausüben sollten sie es ordnungsgemäß absperren und darauf achten das nichts und niemand dabei zu Schaden kommt.

7. Wie funktioniert das Bogenschießen für Anfänger?

Grundsätzlich ist es sinnvoll, sich für die ersten Schießübungen einen Lehrer zu nehmen. Denn hat man sich eine falsche Technik erst einmal angewöhnt ist es schwer sich davon wieder zu lösen.

 Einige Tricks kann man sich bereits vor der ersten Übung verinnerlichen:

Um das Ziel zu treffen ist die  richtige Haltung, das Allerwichtigste. Der Bogenschütze steht leicht seitlich, mit dem Gewicht auf beiden Beinen.  Der Oberkörper ist leicht nach vorn geneigt, der Blick  auf das Ziel fokussiert.

Die Zughand benötigt einen sogenannten Ankerpunkt, der sich für die meisten Bogenschützen zwischen Kinn und Mundwinkel befindet. Dieser Ankerpunkt gewährleistet, dass sich der Auge-Pfeil- Abstand nie verändert.

Das Ziel wird mit dem Auge nicht mit der Pfeilspitze anvisiert. Der Bogenschütze kann sich dabei Zeit lassen, allerdings nur solange die Spannung der Sehne aufrechterhalten werden kann. Anfangs ist es sinnvoll mit weniger Zugkraft zu arbeiten, damit die Arme nicht schon nach wenigen Sekunden erlahmen.

Beim Lösen des Pfeils befindet sich der Körper in voller Anspannung. Nur die Finger, welche die Sehne spannen lösen sich. Die Haltung wird beibehalten bis der Pfeil das Ziel getroffen hat.

8. Was sind die positiven Effekte des Bogenschießens?

Die langsamen, fast schon meditativen Bewegungen die das Bogenschießen erfordert, bewirken eine Beruhigung des Atems und des Herzschlages. Dies wirkt sich positiv auf das Herz-Kreislauf System aus und mindert das Erkrankungsrisiko in diesem Bereich.

Der Körper ist gespannt, insbesondere die Haltungsmuskulatur wird dadurch trainiert. Dabei ist der Geist hellwach und konzentriert. Nur im harmonischen Zusammenspiel von Geist und Körper gelingt ein perfekter Schuss.

Durch die Bewegung an der frischen Luft profitiert auch das Immunsystem.

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